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Polybromiertes Flammschutzmittel decaBDE: Neue Gefahren-, Risiko- und gesetzgeberische Maßnahmen wurden verabschiedet

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Kontext - Flammschutzmittel werden bei der Herstellung von vielen Stoffen, Kunststoffen und anderen Materialien verwendet, um sie widerstandsfähiger gegen Feuer zu machen.

Sind diese Produkte sicher?

Dies ist eine zuverlässige Synthese und Zusammenfassung mehrerer wissenschaftlichen Konsensberichts. Für die vollständige Liste der Quellen, Beziehen sich auf die Referenzen.

Neuestes Update: 20 April 2017

Was sind Flammschutzmittel und bromierte Polyphenylether?

Ein Flammschutzmittel ist eine chemische Substanz, die einem Material (Kunststoff, Holz, Gewebe oder anderem Material) zugefügt wird, um es widerstandsfähiger gegen Feuer zu machen. Mehrfach bromierte Diphenylether (PBDE) und insbesondere Bis(pentabromophenylether) oder decaBDE gehören zur Familie der chemischen Kongenere, welche weit verbreitet als Flammschutzmittel in vielen verschiedenen Sektoren eingesetzt werden, vor allem in Kunststoffen und Textilien.

Wie sind wir DecaBDE ausgesetzt?

Die Emission und die weit verbreitete Verteilung von decaBDE in der Umwelt erhöht die Wahrscheinlichkeit einer langfristigen (lebenslangen) Exposition des Menschen gegenüber decaBDE und seinen niedrigeren bromierten PBDE Abbauprodukten (PBDE = polybromierte Diphenylether) Abbauprodukten.

Freisetzung in die Umwelt kann bei der Polymerverarbeitung und Verwendung in der Textilveredelung erfolgen. Darüber hinaus können Verflüchtigung und Auslaugung des Flammschutzmittels aus Erzeugnissen und Freisetzung von Staubpartikeln, die DecaBDE enthalten, während der Lebensdauer des Erzeugnisses und bei dessen Entsorgung auftreten.

Was sind die spezifischen Gefährdungen, die mit decaBDE verbunden sind?

DecaBDE erfüllt die Definition einer persistenten, bioakkumulierbaren und toxischen (PBT) und einer sehr persistenten, sehr bioakkumulierbaren (vPvB) Substanz, was bedeutet, dass es für eine lange Zeit in der Umwelt verbleibt und dass es sich im Körper und entlang der Nahrungskette anreichert.

Aufgrund hoher Unsicherheiten in Bezug auf die mit PBT-Substanzen verbundenen Risiken, und der Tatsache, dass verabschiedete Sicherheitsgrenzwerte letztlich über Jahre und Jahrzehnte erreicht oder überschritten werden könnten, sind diese Substanzen (PBT) verboten.

Die Erfahrung mit sehr persistenten und bioakkumulierbaren Stoffen hat gezeigt, dass auch diese aufgrund ihres Potenzials zur Anreicherung in der Umwelt Anlass zu spezifischen Bedenken geben sowie Auswirkungen haben können, die langfristig unvorhersehbar und schwer rückgängig zu machen sind, auch wenn die Emissionen aufhören. Aus diesem Grunde sind auch diese Substanzen (vPvB) stark reguliert.

Welche Risiken für die menschliche Gesundheit sind mit decaBDE verbunden?

Oberhalb eines Grenzwertes kann die Exposition gegenüber DecaBDE und geringer bromierten Transformationsprodukten insbesondere zu Neurotoxizität bei Säugetieren, einschließlich beim Menschen, führen. In Bezug auf die Exposition von in Nahrungsmitteln enthaltenen polybromierten BDE-Kongeneren kam die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) im Jahr 2011 zu dem Schluss, dass in der EU die Kongenere BDE-47, -153 und -209 keinen Anlass zu gesundheitlichen Bedenken geben. Für BDE-99 gibt es allerdings potenzielle gesundheitliche Bedenken in Bezug auf aktuelle diätetische Exposition.

Was sind die Umweltrisiken im Zusammenhang mit decaBDE?

DecabromDiphenylether zeigt bei akuten Tests eine sehr geringe aquatische Toxizität, wobei keine Auswirkungen bis zur Wasserlöslichkeit des Stoffes zu bemerken sind. Eine EU-Risikobewertung kam zu dem Schluss, dass für decaBDE von behördlicher Seite keine Notwendigkeit für weitergehende Informationen besteht: das gilt in gleicher Weise auch für Risikominimierungsmaßnahmen, die schon heute sowohl für Oberflächen, Sedimente und Abwasserbehandlungsanlagen als auch für terrestrische und atmosphärische Kompartiments gelten.

Obwohl DecaBDE persistent ist, gibt es Hinweise darauf, dass es unter bestimmten Bedingungen auch zu toxischeren und stärker bioakkumulativen Verbindungen abgebaut werden kann und dass es eine beträchtliche Unsicherheit für das indirekte Risiko („sekundäre Vergiftung“) für Raubfische, Raubvögel und andere raubende Säugetiere gibt. Aus diesem Grunde besteht ein Bedarf an weiteren Informationen bzw. oder Tests über sekundäre Vergiftungen aus allen Quellen.

Warum gibt es behördliche Beschränkungen für die Verwendung von decaBDE als Flammschutzmittel in der EU?

DecaBDE ist bekannt dafür, dass es über lange Wege transportiert werden kann und dass Emissionen, ausgehend von einem EU Mitgliedsstaat, zu Expositionen in einem anderen Staat führen können ungeachtet der Anstrengungen dieses Landes zur Expositionsverringerung innerhalb seiner eigenen Grenzen. Um Unsicherheiten in Bezug auf mögliche und schwer vorhersagbare Langzeiteffekte für die Umwelt zu eliminieren, ist ein erheblicher Zeitaufwand nötig. Deshalb kam man in der EU zu dem Entschluss, Vorsorgemaßnahmen zur Risikominderung ins Auge zu fassen und gesetzgeberische Maßnahmen einzuführen.

Dies führte im Februar 2017 zu der Verordnung (EU) 2017/227, die die DecaBDE-Beschränkung in die EU-REACH-Verordnung über Chemikalien aufnimmt. Ab dem 2. März 2019 unterliegt der Stoff decaBDE einer Beschränkung von maximal 0,1Gew % für seine Verwendung als Bestandteil bei der Herstellung oder für das Inverkehrbringen in einem anderen Stoff, einer Mischung, einem Erzeugnis oder einem Teil davon.

Es gibt in der Tat derzeit alternative Produkte, die verfügbar und bereits im Einsatz sind. Allerdings sollten sich die vorgeschlagenen Maßnahmen nicht negativ auf bestehende Recyclingaktivitäten auswirken. Nach Konsultation der Europäischen Agentur für Flugsicherheit (EASA) wurden auch einige spezifische Ausnahmen insbesondere für die Luftfahrt vorgeschlagen.

References:
ECHA - Annex XV - Restriction Report - Proposal for a restriction - Bis(pentabromophenyl) ether 
https://echa.europa.eu/documents/10162/a3f810b8-511d-4fd0-8d78-8a8a7ea363bc 
EFSA - Scientific Opinion on Polybrominated Diphenyl Ethers (PBDEs) in Food EFSA Journal 2011;9(5):2156 
ECHA – decabromodiphenylether Risk assessment report  

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