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Gefahrstoffe in Binnen und Meeresgewässern in der aquatischen Umwelt in Europa

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Kontext - Sind die Binnen- und Meeresgewässer Europas vor Verunreinigung geschützt?

Dies ist eine treue Zusammenfassung der führenden Berichts, der im 2011 durch the European Environmental Agency (EEA) veröffentlicht wurde: "Aquatische Umwelt: Gefahrstoffe in Europas Binnen- und Meeresgewässern - ein Überblick " 

  • Quelle:EEA (2011)
  • Übersicht & Details: GreenFacts
Neuestes Update: 8 November 2017

Welche Substanzen sind für die aquatische Umwelt gefährlich?

Synthetische Chemikalien können, obwohl sie Vorteile für die Gesellschaft haben, manchmal gefährlich sein. Sie können je nach ihrer Nutzungsstruktur und ihrem Expositionspotenzial für die menschliche Gesundheit und die Umwelt bedenklich sein. Dies umfasst eine breite Palette Industrie- und Haushaltschemikalien, Metalle, Pestizide und pharmazeutischer Produkte. Auch bestimmte Arten natürlich vorkommender Chemikalien wie Metalle können gefährlich sein.

Substanzen gelangen sowohl direkt als auch indirekt über verschiedene Quellen, zu denen auch Landwirtschaft, Aquakultur, Industrie, Ölbohrung, Bergbau, Transport, Schifffahrt und Abfallentsorgung sowie unsere heimischen Haushalte gehören, in Wasserstraßen, Seen und Meere.

Welche Auswirkungen haben Gefahrstoffe im Wasser auf Umwelt und Menschen?

Je nach Grad der Exposition werden Gefahrstoffe, die nachteilige Auswirkungen auf das aquatische Leben auf molekularer, zellulärer, Gewebe- und Organebene sowie auf das Ökosystem haben, von verschiedenen Informationsquellen dokumentiert. Es konnte beispielsweise nachgewiesen werden, dass Substanzen, die auf Hormone (bekannt als endokrine Disruptoren) einwirken, die Fortpflanzung von Fischen und Schellfischen in Europa beeinträchtigen, was hinsichtlich Fertilität und Überleben der Population besorgniserregend ist. Die Auswirkung von Organochlor auf Seevögel und Meeressäugetiere ist ebenfalls gut dokumentiert. Gleiches gilt für die Toxizität von Metallen und Pestiziden auf die Flora und Fauna der Binnengewässer.

Aus sozio-ökonomischer Sicht verringern diese Auswirkungen die Leistungen der aquatischen Ökosysteme und somit auch den daraus abzuleitenden Ertrag.

Beim Menschen wird die Belastung durch künstliche Chemikalien mit einer Reihe chronischer Krankheiten, einschließlich Krebs sowie Reproduktions- und Entwicklungsschädigungen, in Verbindung gebracht. Diese Belastung kann mit Gefahrstoffen im Wasser durch Aufnahme von verunreinigtem Trinkwasser und den Konsum von verunreinigten Süßwasserfischen und Meeresfrüchten verbunden sein.

Welchen Herausforderungen stehen wir heute in Bezug auf Gefahrstoffe in der aquatischen Umwelt gegenüber?

In vielen Fällen lassen sich rückläufige Trends bei der Verschmutzung der aquatischen Systeme beobachten. Einige Gefahrstoffe wie Quecksilber, Tributylzinn und polyaromatische Kohlenwasserstoffe, die hydrophob sind, neigen dazu, sich in Sedimenten und lebenden Organismen abzulagern, und sind daher in diesen Medien eher erkennbar und messbar als in Wasser. Wenn Messungen nur in der Wassersäule vorgenommen werden, könnten die Gefahren für die aquatische Umwelt schnell unterschätzt werden.

Die Daten zeigten beispielsweise, dass Gefahrstoffe noch im Jahr 2007 in hohen Konzentrationen unter anderem in drei europäischen Meeren vorhanden waren. Diese Beobachtung spiegelt die Dauerhaftigkeit von Substanzen wie DDT, Hexachlorbenzol (HCB), Lindan und PCB in der aquatischen Umwelt wider – und dies trotz der Tatsache, dass alle vier Substanzen in Europa teilweise schon seit Jahrzehnten verboten sind (wie DDT). An bestimmten Orten überschreiten einige Metallkonzentrationen, wie Quecksilber, immer noch die gesetzlich festgelegten Höchstgrenzen. In vielen Fällen jedoch lassen sich rückläufige Trends beobachten.

Eine Schlüsselmaßnahme zur Verringerung des Grades der Verunreinigung und damit einhergehend der dringende Bedarf an Aufreinigung des europäischen Trinkwassers ist, so der Bericht, die Herstellung von Sicherheits- oder Schutzzonen rund um die Quellen, wobei die Maßnahme von Regelungskompetenzen begleitet werden muss, um weitere Verschmutzungsaktivitäten zu kontrollieren.

Bei einigen sogenannten „neuen Schadstoffen“ sind das Bewusstsein und das Verständnis ihrer möglichen Auswirkungen derzeit noch völlig unzureichend oder sie wurden erst kürzlich entwickelt. Dazu gehören Substanzen, die es bereits eine Weile gibt, wie pharmazeutische Produkte und persönliche Pflegeprodukte, aber auch neue Substanzen wie Nanomaterialien. Ihre Aufnahme in routinemäßige Überwachungsprogramme war bisher begrenzt, so dass es schwierig ist, die Risiken auf die Umwelt und die menschliche Gesundheit solide zu bewerten und dadurch ihre Regulierung und bessere Überwachung zu rechtfertigen. Solch eine gezielte Überwachung in der gesamten EU wäre wünschenswert, um ein rechtzeitiges Bewusstsein für diese potenziell problematischen Substanzen zu gewährleisten, und sollte durch europäische Forschungsstudien unterstützt werden.

Wie können Gefahrstoffe in der aquatischen Umwelt weiter gesenkt werden?

Während Kontrollen „an der Quelle“ wünschenswert sind, ist es wahrscheinlicher, dass hauptsächlich andere Maßnahmen, die die Emission von Gefahrstoffen in Wasser dämpfen, eingesetzt werden. Für zahlreiche Gefahrstoffe müssten Informationen über industrielle Emissionen in Wasser theoretisch gemäß dem europäischen Schadstoffemissionsregister (E-PRTR) gemeldet werden, aber dieses Berichtswesen ist immer noch unvollständig.

Die im Jahr 2006 verabschiedete Europäische Chemikalienverordnung zur Registrierung, Bewertung, Zulassung und Beschränkung chemischer Stoffe (REACH) hat auch den Schutz der menschlichen Gesundheit und der Umwelt vor den Risiken durch Chemikalien verbessert und spielt in dieser Hinsicht eine wichtige Rolle.

Obwohl Kontrollen „an der Quelle“ notwendig bleiben, sind weitere Maßnahmen zum Verständnis und zur Entschärfung der Freisetzung aller Gefahrstoffe in Wasser weiterhin wichtig. Zu diesen Maßnahmen gehören fortschrittliche Abwasserbehandlung, städtische Regenwasserkontrollen und spezielle Agrarumwelt-Praktiken. Die Reduzierung von Emissionen von Gefahrstoffen hat gezeigt, dass wirtschaftliche und gesellschaftliche Vorteile zu erzielen sind.

Neue Werkzeuge für die Überwachung, die Einschränkung von Emissionen, die Ersetzung und Entwicklung alternativer Produkte oder für die Entgiftung werden ebenfalls weiter entwickelt.